Marantz HD-AMP1 Test: der neue MusicLink-Verstärker

Der Marantz HD-AMP1 ist uns zum ersten Mal auf der Marantz-Produktshow Mitte 2015 aufgefallen. Dort stand der kombinierte Vollverstärker und D/A-Wandler als Prototyp neben seinem Bruder, dem HD-DAC 1. Das finale Produkt hat mittlerweile unseren Hörraum erreicht. Wie es klingt und was es mit den MMD-Filtern auf sich hat, erfahrt Ihr in unserem Marantz HD-AMP1-Test.



Marantz HD-AMP1

Marantz-HD-AMP1-Test mit Rückansicht auf die Anschlüsse

Marantz schrumpft seinen neuesten Verstärker auf ein Kompaktformat für den modernen Audiophilen ein. So oder ähnlich hätte die Überschrift in den 1990er Jahren für die Marantz MusicLink-Serie lauten können. Die kleinen Hochleistungs-Kästchen wurden jedoch schnell wieder durch klassische 43-Zentimeter-Geräte ersetzt – bis zum letzten Jahr, als der Marantz HD-DAC1 (Test) das Licht der Welt erblickte.

Heute dürfen wir das zweite Gerät der modernen MusicLink-Serie begrüßen: Den Marantz HD-AMP1, einen Stereo-Vollverstärker mit umfangreichen D/A-Wandler-Funktionen.

Wie es die Zeiten so wollen, kam die Ursprungsserie im modernen Industrie-Design mit elegant-schlichten Gehäusen auf den Markt. Heute ist Retro wieder in und so sitzt der Marantz HD-AMP1 in einem – ebenfalls schicken – doppelwandigen Gehäuse mit Holzapplikationen an den Seiten und gebürsteter Aluminium-Front.

Mittig auf der Vorderseite sitz das typische Marantz-Bullauge mit Display-Anzeige, das von zwei Quellen-Anwahl- und Lautstärkereglern umgeben wird.

Da es sich beim Marantz HD-AMP1 um einen kombinierten Stereo-Verstärker und D/A-Wandler handelt, verwundert uns das gemischte Digital-Analog-Anschlussfeld nicht. Neben Cinch-Eingängen und einem Ausgang für den Subwoofer befinden sich am Anschluss-Terminal zwei optische, ein koaxialer und ein USB-Eingang. Die ersten drei nehmen Audiosignale bis 24 Bit / 192 Kilohertz (kHz) entgegen. Über die asynchrone USB-Schnittstelle spielt er als erster Marantz-Verstärker überhaupt High-Resolution-Audio-Dateien bis 32 Bit / 384 kHz und DSD 11,2 MHz ab. So viel braucht man zwar meistens nicht, ist aber trotzdem schön zu haben. iOS-Geräte bedienen sich dem USB-Anschluss an der Front.

Damit werden alle Formate und Qualitätsstufen mustergültig abgedeckt. Nur über’s Netzwerk kann der Verstärker nicht streamen. CD-Liebhaber greifen dagegen zum Marantz HD-CD1 aus der MusicLink-Serie.

Das Lautsprecher-Terminal ist für eine klassische Single-Wiring-Verkabelung ausgelegt. An 4 Ohm liefert der Marantz-Verstärker eine Ausgangsleistung von 70 Watt pro Kanal. Lautsprecher-Impedanzen von 4 Ohm bis 16 Ohm werden unterstützt.



Technik

Marantz-HD-AMP1-Innenansicht

Der Marantz HD-AMP1 überzeugt nicht nur mit seiner äußeren Erscheinung, auch sein Inneres kann sich sehen lassen. Die verbauten Folien- und Elektrolytkondensatoren stammen aus den großen Marantz-Geräten. Im Strom-Kreislauf sitzt ein Kondensator mit 3300 Mikrofarad Kapazität.

Wie aus den großen Vollverstärkern bekannt, basiert auch der Neuling auf den Marantz Hyper Dynamic Amplifier Verstärker-Modulen (HDAM SA2), die in ständiger Weiterentwicklung den modernen Marantz-Klang ausmachen.

Die Module werden hier auch in Verbindung mit einer rückkopplungsfreien Darlington-Schaltung im Kopfhörerverstärker eingesetzt. Damit ist der Marantz HD-AMP1 bestens auf verschiedene Kopfhörer-Impedanzen vorbereitet, die man im Einstellungsmenü mit „High“, „Mid“ und „Low“ auswählt.

Richtig spannend ist die MMDF-Technologie (Marantz Music Digital Filtering), die im HD-AMP1 ihre Premiere feiert. Dabei handelt es sich um Marantz-eigene Filterverläufe, die mit einer Überabtastung (Oversampling) erstellt werden.

Der Verstärker bietet zwei Filtervarianten, die sich im Amplituden- und Phasenfrequenzgang des Filters und ihrem Schwingungsverlauf unterscheiden. Daraus ergeben sich zwei verschiedene Klangcharakteristiken, die im Einstellungsmenü anwählbar sind. Die Digital-zu-Analog-Wandlung wird von einem ESS Sabre ES9010K2M-Chip übernommen.


Arcam AVR850


Hörtest

Marantz-HD-AMP1 mit Holzwangen

Klanglich bietet der Marantz HD-AMP1 einen stabilen Grundklang mit fein aufgelöstem Obertonspektrum und Bassimpulsen, die er straff mit dosierter Wucht überträgt. Kein Bereich sticht unangenehm heraus – auf überzogene Bass- und Hochton-Liftings wird verzichtet. Dadurch erklingen Gesangsstimmen mit natürlicher Intimität und respektvollem Abstand aufgrund des sauberen Umgangs mit S-Lauten.

Trotz der Größe des Verstärkers zeichnet er eine weitläufige Stereo-Bühne, die auf eine gute Überbrechungs-Dämpfung der Stereo-Kanäle schließen lässt. Bei breit aufgestellten musikalischen Besetzungen sind einzelne Instrumente bis weit in die Tiefe der Bühne lokalisierbar – in Anbetracht der Größe des Verstärkers eine respektable Leistung!

Die straffen Bassimpulse werden mit einer feindynamischen Aufbereitung leiser Details ergänzt, wodurch ein recht dynamischer Klang entsteht. Bei Lautsprechern mit gemäßigtem Impedanzverlauf behält der Marantz HD-AMP1 stets die Kontrolle und sorgt für reale Klangfarben im Übertragungsbereich.

MMDF: Marantz Music Digital Filtering

MMDF: Marantz Music Digital Filtering

Wir haben den Marantz-HD-AMP1-Test mit dem Standard-Filter 1 durchgeführt, das wir nach einigem hin und her-Schalten bevorzugen. Unterschiede zwischen den Rekonstruktionsfiltern sind hörbar – dabei ist aber Konzentration gefragt.

Filter 2 hört sich für uns nach einem linearphasigen Filter an. Im direkten Vergleich rückt die Musik etwas weiter nach vorn, Instrumente erhalten einen helleren Touch und das gesamte Klangbild wirkt noch etwas straffer und knackiger.

Wechseln wir wieder zum Standard-Filter 1 rücken die Instrumente einen kleinen Schritt zurück und die Klangräume gehen weiter auf. Am besten lässt sich Filter 1 mit dem Wortlaut „analoger Klang“ beschreiben. Es eignet vor allem in Kombination mit obertonreicher, impulshafter Musik.

Zusammengefasst

Die Wiedergeburt der MusicLink-Serie ist Marantz mit dem HD-AMP1 bestens geglückt. Hier werden nicht nur ein D/A-Wandler und ein Stereo-Verstärker in einem schicken Gehäuse verpackt – mit auswählbaren Klangfiltern, USB-Streaming bis 384 kHz / DSD 11,2 MHz und einer Impedanz-Anpassung des Kopfhörerverstärkers hat der kleine Marantz einiges für audiophile Ohren zu bieten.



Marantz HD-AMP1 Test

9 Punkte
Vorteile
+ 384 kHz / DSD 11,2 MHz

+ auswählbare Digitalfilter

+ Kopfhörer-Impedanz einstellbar

+ Retro-Design

Nachteile
- kein Netzwerk-Streaming
Preis
Der Marantz HD-AMP1 ist für einen Preis von 1.099 Euro erhältlich.
Verarbeitung9
Einrichtung9.5
Funktion9
Sound9
Preis8.5


Veröffentlicht am: 15. Dezember 2015 / Autor: Torsten Pless / Fotos: MODERNHIFI
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