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Arcam SA20 Test: Analogverstärker mit digitaler Filterwirkung

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Arcam SA20 Test: Analogverstärker mit digitaler Filterwirkung

High Definition Audio, kurz HDA – so nennt Arcam Audio seine erste Serie von Stereo-Komponenten seit der Übernahme durch Harman International im Jahr 2017. Dabei geht die Geschichte des britischen HiFi-Unternehmens bis auf die 1970er Jahre zurück. Den All-in-One-Player Arcam CDS50 mit integriertem Streamer und SACD-Spieler hatten wir bereits im Test. Jetzt folgt mit dem Stereo-Verstärker Arcam SA20 die passende Ergänzung für ein vollwertiges 2-Kanal-System.

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Arcam SA20 Test

Arcam SA20 Testbericht Stereo-Verstärker

2017 war ein ereignisreiches Jahr. Erst wurde Harman International von Samsung geschluckt, später folgte die Übernahme von Arcam Audio durch Harman. Die britische HiFi-Schmiede aus Cambridge ist seit dem in den Händen der Südkoreaner.

Was sich dadurch geändert hat? Nichts, außer der festen Bekenntnis beider Parteien, den 2-Kanal-Bereich weiter stärken zu wollen.

Gesagt, getan, hat Arcam in diesem Jahr seine neue HDA-Reihe vorgestellt, die sich aus den beiden Stereo-Verstärkern Arcam SA20 und SA10 und dem streaming-fähigen SACD-Player Arcam CDS50 (Test) zusammensetzt.

Wie schon vom CDS50 bekannt, kommt auch der SA20 im modernen aufgehübschten Design. Nicht zu auffällig, nicht zu groß, dennoch schlank und 43 Zentimeter breit.

Passt zum CDS50

Arcam SA20 analoge Cinch- und Digitalanschlüsse Koaxial TOSLINK

Für den Testaufbau schließe ich Player und Verstärker zunächst zusammen. Der CDS50 hat neben Cinch-Ausgängen auch einen symmetrischen XLR-Anschluss – der Arcam SA20, wie auch sein kleiner Bruder SA10, dagegen nicht. Macht nichts, das muss im mittleren Preissegment – wir sprechen hier von einer UVP von 1.199 Euro – auch nicht zwingend sein. Der Hersteller hat für die HDA-Kombi andere Verbindungswege vorgesehen.

Am gut gefüllten Anschlussfeld entscheide ich mich für einen der beiden Koax-Digitaleingänge. Alternativ bietet der Stereo-Verstärker einen optischen Digitaleingang und drei Cinch-Anschlüsse. Ein vierter ist Plattenspielern mit MM-Tonabnehmer vorbehalten.

USB-Updates und LAN-Steuerung

Arcam SA20 USB und Ethernet-LAN

Weiterhin bietet mir der Arcam SA20 einen USB- und einen Ethernet-Eingang. Die sehen vielversprechend aus sind aber für Updates bzw. zur Integration in ein Heimautomationssystem und zur App-Bedienung reserviert. Streaming gelingt nur von außen, wie über den Arcam CDS50.

Ein Vorverstärkerausgang mit fester Ausgabelautstärke erlaubt den Anschluss von Aktivlautsprechern mit Lautstärkeregelung oder die Verbindung mit einem Mehrkanalsystem – wenn dem AV-Receiver noch ein Paar Endstufen fehlen oder die Frontkanäle ein klangliches Update vertragen können. Das sollte den Verstärker vor keine Probleme stellen, schließlich hat dieser Arcams favorisierte Class-G-Endstufentechnik verbaut.

Class-G-Technik

Arcam SA20 Class-G-Technik

Die vorliegende Class-G-Technik kombiniert die Vorteile von Class A und Class AB. Das heißt: Geringe Frequenzweichenverzerrungen und große Linearität treffen auf niedrigen Verbrauch und hohe Leistung. In der Praxis arbeitet der Arcam SA20 bei geringer Lautstärke im Class-A-Modus und wechselt – sobald Leistung gefordert ist – zu Class AB.

Im Inneren ist der Arcam SA20 sauber aufgebaut. Ein großer Trafo versorgt zwei Stromschienen für die 80-Watt-starken Endstufen mit Leistung. Der Digitalteil sitzt mit seinem ESS9038K2M-Sabre-Wandler sauber von den analogen Bauteilen abgetrennt. Große große Kühlrippen halten den Stereo-Verstärker auf angenehmer Temperatur.

Praxis und Bedienung

Arcam SA20 Bedienung am Gerät MM-Phono inklusive Arcam SA20 Fernbedienung steuert auch den Arcam CDS50 SACD-Player Arcam Control App

Viele Wege führen nach Rom und viele Arten steuern den Arcam SA20. Auf der Vorderseite des Vollverstärkers sitzen acht Kurzwahltasten zum schnellen Umschalten zwischen den Analog- und Digitaleingängen. Die Lautstärkesteuerung gelingt über einen großen Drehregler.

Besonders die kleinen Details haben sich im Testalltag als äußerst praxisrelevant herausgestellt. So lässt sich das Display dimmen, ein Standby-Timer programmieren, eine AV-Signaldurchleitung für jeden Eingang definieren und bestimmen, ob die Lautsprecher bei eingestecktem Kopfhörer an der Front automatisch stummschalten sollen.

Die mitgelieferte Fernbedienung ist groß, übersichtlich und steuert neben dem SA10 und Arcam SA20 bei Bedarf auch den Netzwerk-SACD-Player CDS50. Außerdem lässt sie sich für die Steuerung von Geräten anderer Hersteller programmieren.

Eine weitere Bedienvariante bietet die Arcam Control App für iOS-Geräte. Android-Nutzer müssen sich dagegen nach einer Alternative von Drittherstellern umschauen.

Über die Arcam-App eröffnen sich mir weitere Möglichkeiten, die mir bisher über das Gerät und die Fernbedienung vorenthalten waren. Schade eigentlich. Hier finde ich sieben Digitalfilter, die alle auf ihre Art den Klang beeinflussen. Wichtig zu verstehen ist, dass die Filter nur an Quellen an den Digitaleingängen funktionieren. Der Arcam SA20 ist und bleibt ein analoger Verstärker und die Analogeingänge werden nicht digitalisiert.

Von Haus aus ist das Apodizing-Filter im SA20 aktiviert, das Ein- und Ausschwingvorgänge weitestgehend minimieren soll.

Hörtest

Arcam SA20 Review mit Digitalfiltern

Der Arcam SA20 verhält sich klanglich sehr agil und bietet ein ausgewogenes Frequenzspektrum. Obertöne kommen nicht zu hell, die Mitten klingen angenehm warm mit stabilem Grundtonverhalten und Bässe spielen kraftvoll und zupackend.

Das macht den Verstärker zum idealen Spielpartner für verschiedene Zuspieler und Lautsprecher. Er klingt weder verfärbt, noch steril.

Seine hohe Impulstreue und ein straffes Fundament verleihen dem SA20 eine angenehme Spielfreude. Auch in der Feindynamik weiß der Arcam-Verstärker mit Detailreichtum zu überzeugen. Obertonreiche Instrumente erhalten eine schöne Feinzeichnung, die nie überbetont oder in den Ohren stechend wirkt.

Die Klangbühne streckt sich weit in die Tiefe des Raumes hinein. In der Breite könnte er mitunter noch etwas zulegen. In der ausgeschriebenen Preisklasse ist das jedoch schon Bestniveau.

Besonders die Abbildung komplexer Strukturen in dicht besetzten Arrangements gelingt dem Vollverstärker mustergültig. Instrumentengruppen sind sauber voneinander getrennt und einwandfrei zu lokalisieren. Aggressivität und maßlose Basseinlagen sind für den Arcam-Verstärker Fremdwörter.

Platz zum Experimentieren bieten die sieben Rekonstruktionsfilter, die den Klang von mehr Glätte bis zu mehr Drive individuell anpassen. Schlussendlich entscheidet der persönliche Geschmack.

Meine Empfehlung ist die Einstellung „Minimum Phase Fast“. Das Filter klingt im Vergleich zu den Linear-Phase-Varianten etwas weniger Präsent, liefert aber den neutralsten Klangeindruck. Räume gehen weiter auf und Musik erhält subjektiv die meiste „analoge Wärme“ – empfehlenswert für obertonreiche, laute Musik.

Zusammengefasst

Der SA20 von Arcam ist ein unauffälliger Verstärker – sowohl im Design als auch im Klangeindruck. Das ist auch der Grund, warum er mir gefällt. Er spricht direkt an, wenn er klanglich gefordert wird. Bei geringer Lautstärke arbeitet er dagegen energieeffizient. Vier Analoganschlüsse inklusive Phono-MM und drei digitale Eingänge bieten eine gesunde Mischung. Highlight sind die sieben wählbaren Rekonstruktionsfilter, die minimalen bis großen Einfluss nehmen. Ein Verstärker zum Spielen ohne unnützen Balast – so muss das sein.

Arcam SA20 Preis: EUR 1.245,00

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Arcam HDA SA20 Review

9 Punkte
Design / Verarbeitung8.5
Aufbau / Einrichtung9
Funktion / Zubehör9
Klang9
Preis / Leistung9.5
Preis: EUR 1.245,00

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