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NAD C 390DD2 Test des Stereo-Verstärkers mit BluOS-Modul

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NAD C 390DD2 Test: Darf’s ein bisschen mehr sein?

Von außen unspektakulär, von innen hochmodern und auf Wunsch auch noch erweiterbar: Die Rede ist vom NAD C 390DD2, der sich voll der digitalen Audio-Wiedergabe verschrieben hat. Analogeingänge gibt’s nur zum Nachrüsten, einen USB-DAC dafür frei Haus. Wer will, greift zusätzlich zum BluOS-Modul und funkt in HD und MQA über mehrere Räume hinweg. Sieht so die digitale Zukunft aus?

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NAD C 390DD2 Test

NAD C 390DD2 Test

Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfU) hat 5000 Leute nach ihren bevorstehenden Kaufabsichten befragt. Das Ergebnis in den neuen Kategorien: Produkte zum Musikstreamen haben mit 31 Prozent die Nase vorn. Diesen Trend hat NAD wohl vorausgeahnt und stattet seinen Stereo-Verstärker NAD C 390DD2 schon von Anfang an mit Einschubslots für Erweiterungskarten aus – zunächst für Analog- und Digitaleingänge, jetzt mit BluOS-Software, um mit den Geräten von Bluesound im Multiroom-System zu streamen.

Von außen sieht der NAD C 390DD2 eher klassisch aus und lässt bis auf sein Digitaldisplay und den USB-Anschluss kaum erahnen, was alles in ihm steckt. Ob die nüchterne Aufmachung in mattem Schwarz jedem Design-Geschmack entspricht, sei einmal dahin gestellt – unverkennbar NAD ist es auf jeden Fall.

Die Front gibt sich mit einem Steuerkreuz, zwei Quellenwahltasten und dem Lautstärkeregler auch recht unprätentiös. Zur Bedienung greife ich dann doch lieber zur System-Fernbedienung AVR4 oder der BluOS-App.

Aufs Wesentliche reduziert

NAD C 390DD2 Anschlüsse auf der Rückseite des Stereo-Verstärkers

Schon in der Standard-Ausführung macht der NAD C 390DD2 seinem Namen als moderner Digitalverstärker alle Ehre. Koax- und TOSLINK-Eingänge gibt es gleich in zweifacher Ausführung, den professionellen AES/EBU-Anschluss einmal. Vorbildlich sind auch die Digitalausgänge, über die sich etwa die Aktivlautsprecher Dynaudio Focus 200 XD ansteuern lassen.

Das soll es aber noch nicht gewesen sein, denn der NAD-Verstärker ist MDC-basiert (Modular Design Construction) und bietet drei Erweiterungs-Steckplätze von denen einer bereits im Auslieferungszustand befüllt ist.

Dabei handelt es sich um ein asynchrones USB-Board, das PCM-Signale mit einer Auflösung von bis zu 24 Bit und 192 Kilohertz (kHz) vom Computer entgegennimmt und einen weiteren Port für USB-Speichermedien innehat.

Modular erweiterbar

NAD C 390DD2 MDC Modular Digital Concept NAD C 390DD2 mit MDC-DD-BluOS-Modul

Dem aufmerksamen Leser fällt an dieser Stelle auf: Analogeingänge gibt es standardmäßig nicht. Wer sich sowieso in der digitalen Welt bewegt und vor allem streamt, wird diese kaum vermissen. Besitzer von hochwertigen Zuspielern und Plattenspielern sind auf das Analog-Board angewiesen, dass den Funktionsumfang des NAD C 390DD2 um je einen symmetrischen, einen unsymmetrischen und einen Phono-MM/MC-Eingang erweitert.

Das volle Potenzial des Vollverstärkers schöpft man meiner Meinung nach allerdings erst mit dem MDC-DD-BluOS-Modul aus. Das kommt mit zwei weiteren USB-Buchsen, einem LAN-Port, einer Bluetooth-Antenne und öffnet die Türen in die Welt des Multiroom- und Smartphone-Streamings.

Sowohl das Analog-Modul als auch die BluOS-Erweiterung sind an meinem Testgerät verbaut. Darüber hinaus gibt es noch das Modul DD HDMI-1, mit drei Stereo-HDMI-Eingängen mit 24-Bit/192-kHz-Signalverarbeitung und einem HDMI-Ausgang mit Full-HD- und 3D-Videowiedergabe. Perfekt also für den Betrieb am Smart-TV – die Audiozuspielung zum NAD gelingt allerdings bereits über die standardmäßige TOSLINK-Buchse.

Von NAD haben wir erfahren, dass bald ein Update des HDMI-Moduls erscheint, dass auch 4K-Material (4096 x 2160 Pixel) unterstützen soll.

Wie man sich auch entscheidet, der NAD C 390DD2 nimmt in allen Konfigurationen die Chef-Rolle im heimischen HiFi-System ein. Werden dennoch bestimmte Eingänge nicht gebraucht, lassen sie sich für eine bessere Übersicht im Menü deaktivieren. Die übrigen werden individuell benannt.

Digital bis zum Schluss

NAD C 390DD2 Room EQ Raum-Entzerrer unterhalb von 240 Hertz NAD C 390DD2 mit Zetex DDFA

Wir haben es bereits am Anschlussfeld gemerkt, dass sich der NAD C 390DD2 auf die Wiedergabe digitaler Signale spezialisiert. Auch unter der Haube ändert sich daran nichts, denn die Signalverarbeitung ist ebenfalls komplett digital – vom Eingang, über die Lautstärkeregelung bis zu den Lautsprecher-Klemmen.

Das funktioniert mit dem eingebauten Zetex-DDFA-Chip, der die Signal-Wandlung, Filterung und das umfangreiche Signalprocessing übernimmt. Dazu zählt neben dem 2-Band-Equalizer auch ein Raumentzerrer, der sich auf sechs Bändern mit einstellbarer Bandbreite Raummoden unterhalb von 240 Hertz annimmt.

Die Messtöne werden über USB zugespielt, den Lautstärkepegel misst man mit einem Schalldruckpegelmessgerät oder etwas einfacher mit einer Smartphone-App wie Dynaudios „Meter“. Wer noch tiefer ins Menü einsteigt, findet weitere Funktionen wie eine Phasen-Korrektur, eine Impedanzanpassung von 2-8 Ohm oder die Wiedergabe in Mono.

Sofern ein Analogmodul vorhanden ist, werden die eingehenden Signale zunächst digitalisiert, bevor sie, wie die der Digitalzuspieler auf den Zetex-Chip treffen. Der rechnet sie mit einer Samplerate von 844 kHz in ein pulsweitenmoduliertes Signal um, das nach weiterer Verarbeitung mit einer Mindestleistung von 160 Watt pro Kanal am Bi-Wiring-Terminal zur Verfügung steht.

Eine automatische Impedanzanpassung der sogenannten Digital-Power-Drive-Schaltung an die angeschlossenen Lautsprecher soll für eine optimale Performance sorgen. Wer will, schließt noch zwei aktive Subwoofer an die entsprechenden Vorverstärkerausgänge an – ein weiterer Pluspunkt im TV-Set-up.

BluOS in der Praxis

NAD C 390DD2 mit BluOS-Modul BluOS App

Zunächst schließe ich ein Netzwerkkabel an den Verstärker an und öffne die BluOS-Controller-App. Dort wird der NAD C 3900DD2 sofort erkannt und in die Liste der vorhandenen Player gesetzt.

Hier begibt sich der Stereo-Vollverstärker in beste Gesellschaft mit dem Musikserver Bluesound Vault 2 und dem WLAN-Lautsprecher Bluesound Pulse Flex. Die drei Geräte lassen sich in der App einfach gruppieren und treten so als gemeinsame Wiedergabegruppe auf.

Das verbaute BluOS-MDC-Modul bietet nicht nur Zugriff auf die vorhandene Musiksammlung, die bis auf DSD aus allen erdenklichen Formaten bis 24 Bit / 192 kHz und sogar aus MQA-Dateien bestehen darf. Insgesamt 13 Musikdienste unterstützt das System, zu denen so namhafte Vertreter wie Deezer, Tidal, Qobuz, Spotify und Wimp gehören. Lediglich ein Account beim jeweiligen Anbieter wird vorausgesetzt.

Mit welchen Netzwerk-Geräten der NAD C 3900DD2 noch kompatibel ist, erfahrt Ihr im Artikel zum Bluesound-2-System.

Für den Hörtest greife ich auf die umfangreiche Flac-Sammlung zurück, die sich mittlerweile auf dem Bluesound-Vault-2-Server befindet und versuche herauszufinden, wie analog eine komplett digitale Audiokette klingen kann.

Von digitaler Kälte ist hier keine Spur zu hören! Der NAD-Verstärker punktet vielmehr mit seiner ausgeglichenen Art – egal ob in Alive von Hiromi the Trio Project oder in der Wagner-Ouvertüre „der Fliegende Holländer“. Harsche Töne gibt es nicht, der Gesamtauftritt ist filigran in den Präsenzen und realistisch im Umgang mit Gesangsstimmen. Denn auch starke Artikulationen werden ohne Überzeichnung dargestellt, sodass sich auch über mehrere Stunden ermüdungsfrei damit hören lässt.

Dem offenen Hochton-Bereich steht ein druckvoller Tiefbass gegenüber, der jedem Musiktitel das gebührende Fundament verleiht. Bassgitarren klangen groß und Bassdrums erhielten zusätzlichen Schub, ohne sich gegenseitig in die Quere zukommen. Impulse wurden sehr lebendig reproduziert, was für eine ausgezeichnete Dynamik sorgte. Auch die Mitten geben sich musikalisch, realistisch, ohne dass der Verstärker dabei zu akademisch klingt.

Die räumliche Darstellung ist ebenfalls fast tadellos und in ihrer Preisklasse nur schwer zu schlagen. Der Blick in die Tiefe übertrumpft sogar noch den in die Bühnenbreite, die einzelne Instrumentengruppen ohne wahrnehmbare Beeinflussung darstellt. Kurzum, der NAD C 390DD2 macht sehr viel Spaß zu hören.

Zusammengefasst

Wer auf der Suche nach einem neuen Verstärker ist und sich gleichzeitig den Themen Computer-Audio und Streaming widmen will, sollte den NAD C 390DD2 auf jeden Fall in Betracht ziehen. Das Digitalkonzept geht klanglich voll auf und wer doch (noch) nicht auf Analogeingänge verzichten will, rüstet diese ganz einfach nach. Mit eingebautem BluOS-Modul wächst der NAD über sich hinaus und reicht zugespielte Signale einfach im Netzwerk weiter. Wer nicht gleich so viel Geld ausgeben will, kauft sich einfach die Basis-Version inklusive USB-DAC-Funktion und rüstet später nach. Ein weiterer Vorteil des Modular-Konzepts: egal was in Zukunft noch an technischen Innovationen kommen mag, die Chancen stehen nicht schlecht, das NAD dafür ein Modul anbieten wird.

NAD C 390DD2 Preis: 2599 Euro / mit MDC DD-BluOS: 2999 Euro
NAD MDC DD-BluOS: 499 Euro
NAD MDC DD HDMI-1: 329 Euro
NAD MDC DD AP 1: 329 Euro

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NAD C 390DD2

9.3 Punkte
Design / Verarbeitung9
Aufbau / Einrichtung9
Funktion / Zubehör10
Klang9.5
Preis / Leistung9

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